Über uns

 

Auf der Liegewiese unter Bäumen träumen

von Dir und mir und unsren Zwischenräumen.

Du meinst, was Großes sei da über uns, aber ich glaub,

vor allem ist da jede Menge Laub.

Vorbei

 

Langsam verblasst die Erinnerung.

Das feurige Rot der ersten Tage

ist einem faden Rosa gewichen

mit der Zeit.

Ein gnädiges Grau hat sich über all die Bilder gelegt,

die heute nicht mehr schmerzen,

mich nicht mehr erregen.

Doch plötzlich stehst Du vor mir

mit diesen unfassbar roten Lippen.

 Gedanken vor dem Altern

(inspiriert von Günter Grass, „Winterliche Inschriften“)

 

Irgendwann kommt mal die Zeit,

ich glaube, ich werde sie hassen,

da muss ich öfter mal

die Sache mit den Frauen und auch Wasser lassen.

 

Bei Günter Grass hat es zu guter Letzt

für Ute gerade noch gereicht.

Und ich hoffe immer noch,

dass Annegret-Christine nicht viel mehr als nur mein Herz erweicht.

 

Vielleicht schreib ich im übernächsten Winter

nur noch die Initialen in den Schnee,

Doch jetzt ist Frühling und ich freue mich,

wenn ich das Knospen all der schönen Frauen seh..

Regenwolken im April

Noch hängen schwere schwarze Regenwolken
schwebend schweigend über Stadt und Land.
Wie von groben Bauernhänden frisch gemolken
ergießt sich ihre nasse Last auf Stein und Sand.
Nur eine junge Frau im Bus
liest und tippt voll echter Wonne.
Sie kann nicht anders und sie muss
strahlen wie die Frühlingssonne.

Blätterleben

 

Jetzt ist es Herbst, die Blätter fallen,

doch bevor sie auf den Boden knallen,

haben sie sich über Nacht

noch einmal richtig feingemacht.

Grell geschminkt in gelb und rot,

voll Tatendrang und ohne Not,

machen sie nicht ohne Grund

unsre Welt noch einmal bunt.

Dann lösen sie sich von den Ästen

und nicht nur die allerbesten,

alle stürzen nun zur Erde

und hoffen, dass bald Winter werde.

Dann werden sie den Schnee wohl nützen,

die Wurzeln ihres Baums zu schützen.

Und sie sind Teil von dieser Kraft,

die Raum für neues Leben schafft.

Im Frühjahr wird man dann an Buchen oder Linden

sie in den jungen Trieben wiederfinden.

 

Auch ich bin wie das Blatt am Baum

Und lebe diesen bunten Traum.

Denn ganz bestimmt werd ich nicht jünger,

doch taug ich allemal als Dünger

für das farbenfrohe Leben

nach dem wir und die noch kommen streben.

Sommerhitze in der Stadt

 

Nur dumpf bahnt sich der Lärm der Straße

durch glühend heiße Luft den Weg zu meinem Ohr.

Das Leben gibt sich einer Trägheit hin

und löst sich auf, so kommt’s mir vor.

Die Menschen haben aufgehört zu atmen,

der Sauerstoff erreicht sie durch die Poren ihrer Haut.

Sogar die Zeit hat Mühe jetzt voranzuschreiten

und torkelt wie ein schwereloser Astronaut.

Diese gnadenlose schwere Hitze

und dieser feuchte Schweiß auf meiner Brust

gaukeln mir vor, es sei ein Liebesakt,

die Atemlosigkeit Ergebnis meiner Lust.

Als würden sich die Filme auf zwei Körpern

zu einem Salzmeer jetzt vereinen.

Dabei tut doch die Sonne nur

was sie tun muss, nämlich scheinen.

Schon morgen wird ein kühler Regen

uns wieder Luft zum Atmen schenken.

Ein frischer Windhauch kündet schon davon,

fast ist mir so, als könnt ich wieder denken.

Schnell wird mir klar, ich täusche mich,

denn vorne an der Ampel seh ich - Dich.

 

Zum Meer

Auch
wenn es mit den Dingen
den Bach runter geht,
heißt das nicht,
dass am Ende
alles im Fluss ist.

Wenn
die Dinge schon
im Fluss sind,
können sie nicht mehr
den Bach runtergehen.

Dem
Ozean ist es egal,
ob die Dinge
im Fluss
oder im Bach waren.

Viel zu viel

Von allem hast Du immer viel zu viel genommen.
Es war Dir trotzdem nie genug.
Du wolltest auch den letzten Rest bekommen.
Heut weißt Du, es war Selbstbetrug.
Trotzdem glaubst Du ein Recht zu haben
auf das letzte bisschen Glück.
Doch weil das Glück mit allen seinen Gaben
unendlich ist, bekommst Du nur ein Stück.
Ein Stück Unendlichkeit,
damit musst Du Dich nun begnügen.
Und endlich ist es nun soweit,
Du brauchst Dich nicht mehr selbst belügen.

 

 

Eine Zeit

 

Wäre die Zeit eins

Bliebe nicht stehen

Und würde nicht vergehen

Wäre ich eins

Mit mir

Und ich und ich und ich zugleich

Ich hätte Kinderaugen

Und die Kraft des jungen Mannes

In mir loderte das Feuer des Rebellen

Und alles Wissen oder Können

Des erfahrenen Greises

Lenkte mein Tun in wirkungsvolle Bahnen

Ich könnte Dir als Kind begegnen

Wir wären seit Ewigkeiten eins

Und alle Liebe

Die ich je erfahren und gegeben habe

Wäre in einem einzigen Punkt vereint

.

Es wäre nie zu spät

Und alles gleich zeitig

Alles wäre recht so

Wie es ist

Nichts war

Nichts wird sein

Alles ist

 

 

Der Alte

Die Jahre sind ins Land gezogen
schön langsam wird er alt.
Er hat das Leben aufgesogen,
er war mal einer, der was galt.

Was früher Geltung war,
entpuppt sich heut als Schein.
Denn jetzt erscheint er sonderbar,
wenn er versucht jemand zu sein.

Ganz langsam kommen sie, die Dramen,
denn immer öfter, dann und wann,
bieten ihm schon alte Damen
im Bus nett ihren Sitzplatz an.

Hin und wieder zwickt es nun an Stellen,
die war’n ihm früher unbekannt.
Noch kommt die Lust in sanften Wellen,
die Kerze ist noch nicht verbrannt.

In den Zähnen Loch um Loch,
er ließe sie sich gerne reißen,
doch taugen sie letztendlich noch
um ins Gras zu beißen.

Und manchmal nistet sich ganz tief im Hirn
eine Erinnerung aus seiner Jugend ein.
Und seine tief zerfurchte Denkerstirn
sagt ihm, das kann‘s noch nicht gewesen sein.

In jungen Jahren hat er sich recht viel genommen.
Nun, da er alt wird, ist es Zeit zu geben.
Denn, ist erst mal der Tag gekommen,
ist‘s sinnlos, sich was aufzuheben.

Alter Mann, ich seh Dich täglich auf der Straße.
Noch bist Du nur ein trüber Widerschein.
Und ich frage mich in welchem Maße,
will ich, wenn‘s soweit ist, wie Du oder doch ganz anders sein.

Du, die Sonne

Wenn sich die Sonne schon die Mühe macht
und für uns alle täglich lacht.
Wenn sie statt nur ins Bett zu gehen
nicht nachlässt täglich aufzugehen.
Wenn sie die ganze Runde dreht,
nicht nur am Horizont rumsteht.
Wenn Wolken sie manchmal verdecken
lacht sie halt drüber, spielt Verstecken.
Wenn sie uns Wärme gibt und Kraft
und täglich neues Leben schafft.
Wenn sie nicht müde wird zu scheinen,
und das für alle, nicht nur einen.
Dann könnten wir doch danach streben,
auch selber etwas abzugeben.
Jeder könnt‘ mit seinem Schein
selbst Sonne für die andern sein.
Ohne Anseh‘n einer Rasse,
einer Religion und Klasse
ganz egal ob arm, ob reich
die Sonne, Du und ich, wir scheinen dann für alle gleich.